"Ohne Huf kein Pferd" – diese alte Reiterweisheit gilt für Senioren doppelt. Während wir oft auf graue Haare im Gesicht achten, verraten die Hufe viel präziser, wie es um die biologische Gesundheit deines Pferdes steht. Der Huf ist ein Endorgan: Er wird als letztes versorgt, wenn der Körper Ressourcen spart.
Wenn die Hufqualität im Alter nachlässt – das Horn wird brüchig, das Wachstum verlangsamt sich, oder es bilden sich Ringe – ist das selten "einfach nur das Alter" oder mangelndes Huföl. Es ist oft ein Hilferuf des Stoffwechsels.
Das Problem der Mikrozirkulation
Der Huf ist ein Wunderwerk der Durchblutung. In der Huflederhaut arbeiten Millionen feinster Kapillaren, um Nährstoffe für das Hornwachstum zu liefern. Im Alter lässt diese Mikrozirkulation nach. Die kleinen Gefäße werden weniger elastisch oder "verstopfen" durch chronische, niedrigschwellige Entzündungen.
Die Folge: Der Huf wird unterversorgt. Das Horn wächst langsamer nach (oft sieht man das an engeren Jahresringen) und verliert seine Elastizität. Ein spröder Huf beim Senior ist also primär ein Durchblutungsproblem.
Der Stoffwechsel schreibt mit: EMS und Cushing (PPID)
Die Hufe sind das Tagebuch des Stoffwechsels. Besonders zwei Alterskrankheiten hinterlassen hier ihre Spuren:
- PPID (Cushing): Durch den dauerhaft erhöhten Cortisolspiegel wird Eiweiß aus dem Körper abgebaut – auch aus der Hufstruktur. Das Horn wird minderwertig und anfällig für Hufgeschwüre.
- Insulinresistenz (EMS): Hohe Insulinwerte schwächen die Verbindung zwischen Hufbein und Hornkapsel. Oft sieht man "Futterringe" oder eine verbreiterte weiße Linie, lange bevor eine akute Rehe auftritt.
Longevity-Strategie für starke Hufe
Huföl von außen ist Kosmetik. Echte Hufgesundheit kommt von innen. Hier sind die wissenschaftlichen Ansätze:
1. Durchblutung fördern
Bewegung ist nicht verhandelbar. Jeder Schritt pumpt Blut durch den Hufmechanismus. Ein Seniorpferd sollte nicht "geschont" werden, indem es steht, sondern durch angepasste, moderate Bewegung fit gehalten werden.
2. Elastizität durch Fette (Lipide)
Das Horn braucht Feuchtigkeit, aber diese wird nicht durch Wasser, sondern durch Fette (Kittsubstanz) im Huf gehalten. Omega-3-Fettsäuren sind hier der Schlüssel. Sie verbessern nicht nur die Zellmembranen und sorgen für elastisches Horn, sondern fördern auch die Fließeigenschaften des Blutes – sie wirken wie ein natürlicher "Rohrreiniger" für die feinen Kapillaren der Huflederhaut.
3. Nährstofflücken schließen
Im Alter wird die Verdauung ineffizienter. Zink und Aminosäuren (Keratin-Bausteine) werden schlechter aufgenommen. Eine gezielte, hoch bioverfügbare Ergänzung ist oft notwendig, um das Defizit auszugleichen.
Fazit
Schau deinem Pferd auf die Hufe. Sie zeigen dir Monate im Voraus, ob der Stoffwechsel und die Durchblutung noch intakt sind. Mit der richtigen Bewegung und Nährstoffversorgung (insb. Omega-3) kannst du dafür sorgen, dass dein Pferd auch im hohen Alter noch auf gesundem Fundament steht.